Gebrauchtwagen verkaufen oder kaufen

Das Auto verkaufen sowie einen Gebrauchtwagen kaufen wird beides zusammen als Gebrauchtwagenhandel bezeichnet. Dafür kommen ausschließlich gebrauchte Autos infrage. Ein Auto gilt dann als gebraucht beziehungsweise als Gebrauchtwagen, wenn es anhand der Zulassungsbescheinigung Teil 2 mehr als einen Vorbesitzer hat. Mit diesem Dokument, dem früheren Kfz-Brief, werden sowohl das Eigentum als auch die Verfügungsgewalt über das Fahrzeug nachgewiesen. Ohne diesen Nachweis kann der Gebrauchtwagen nicht übereignet werden; beziehungsweise der Interessent wird keinen Kaufpreis bezahlen, ohne dass er die Zulassungsbescheinigung Teil 2, zusammen mit Teil 1, dem ehemaligen Kfz-Schein, erhält. Bei einer Fremdfinanzierung wie dem Autokredit oder einem Autoleasing muss die Zulassungsbescheinigung Teil 2 beim Kreditgeber zur Besicherung hinterlegt werden. Damit soll verhindert werden, dass der Kfz-Halter das Fahrzeug ohne das Wissen und ohne die Zustimmung des Financiers veräußern kann.

Wer sein Auto verkaufen möchte, der hat mehrere Möglichkeiten dazu. Er kann es seinem Vertragshändler am Ort anbieten, bei dem er das Fahrzeug zuvor gekauft hat. Gewerbliche Autoankäufer bieten ein professionelles Gebrauchtwagenkauf an. Sie kommen zum Fahrzeughalter und dorthin, wo das Fahrzeug abgestellt ist. Es wird direkt vor Ort bewertet; und wenn sich beide Seiten einig sind, dann wird der Kaufpreis sofort in bar ausgezahlt. Der Autoankäufer erhält Fahrzeugpapiere sowie Schlüssel und übernimmt auf eigene Kosten den Abtransport des Autos. Der Halter kann das Auto auch selbst, also in Eigenregie verkaufen. Er kann es auf zahlreichen Onlineportalen im Internet anbieten, aber auch ein Inserat in der örtlichen Ausgabe der Tageszeitung oder in einem regionalen Anzeigenblatt zum Wochenende aufgeben. Egal welchen Weg der Besitzer für den Verkauf seines gebrauchten Autos auch wählt; er muss sich und sein Fahrzeug sorgfältig auf den Autoverkauf vorbereiten. Dazu sollte er sich in die Lage desjenigen versetzen, der einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, und der diesen betreffenden Gebrauchtwagen kaufen soll. Für den Interessenten muss das Kaufangebot so attraktiv sein, dass er sich nicht nur angesprochen fühlt, sondern an dem Angebot gar nicht vorbeigehen kann. Das Auto gebraucht zu verkaufen muss also ebenso gekonnt wie gezielt vorbereitet werden.

Für jeden Gebrauchtwagenverkauf müssen die bürokratischen Voraussetzungen stimmen; ganz unabhängig davon, welchen Verkaufsweg der Kfz-Halter wählt. Der Fahrzeugschein, die heutige Zulassungsbestätigung Teil 1 muss vorhanden sein, ebenso wie die zwei Fahrzeugschlüssel sowie die Zulassungsbestätigung Teil 2. Ist sie bei einem Kreditgeber hinterlegt, dann weiß der Autokäufer, dass für den Gebrauchtwagen noch eine Finanzierung besteht, die abgelöst werden muss. Der Fahrzeughalter muss sein Auto „ins rechte Licht rücken“. Es muss außen gewaschen und innen gesäubert sein. Damit die Interessenten im Internet oder in den Printmedien einen ersten Eindruck von dem Auto bekommen, sind einige gute Innen- und Außenaufnahmen recht hilfreich. Optische Unschönheiten, die in dem Sinne keine Unfallschäden sind, sollten als kleine Macken behoben und beseitigt werden. Das Auto muss, entsprechend seinem Alter und der damit verbundenen Kilometerlaufleistung, einen insgesamt ansprechenden ersten Eindruck machen. Für diese Vorbereitungen sollte der Autobesitzer Zeit und Manpower aufwenden.

Bei jedem Gebrauchtwagenkauf sind die Fragen des einen die Antworten des anderen. Der Autokäufer hat eine Vielzahl von Fragen, auf die er Antworten von dem Gebrauchtwagenverkäufer erwartet. Der muss sich seinerseits auf alle möglichen Fragen vorbereiten und die passenden, auch nachprüfbaren Antworten parat haben. So ergibt sich, ergänzend zu dem technischen und dem optischen Zustand des Gebrauchtwagens, ein Eindruck, der insgesamt den Kaufpreis für das gebrauchte Auto bestimmt, zumindest aber beeinflusst.

Zu den ersten und wichtigsten Fragen gehören diejenigen nach der Zahl an Vorbesitzern, nach dem Datum der Erstzulassung als fabrikneuem Fahrzeug, und nach den seitdem gefahrenen Kilometern. Der Kilometernachweis ist anhand des Kilometerzählers möglich. Der etwas misstrauische Fahrzeugkäufer wird sich davon überzeugen wollen, dass an dem Kilometerzähler nicht manipuliert worden ist. Die Zahl der Kilometer ist, in Relation zum Fahrzeugalter, ein wichtiges Indiz für den technischen Fahrzeugzustand. Antworten auf die Fragen, ob die Vorbesitzer das Auto eher im Stadtverkehr oder für lange Strecken auf Bundesautobahn und Bundesstraße benutzt haben, sind umso lückenhafter, je größer die Zahl der Vorbesitzer ist.

Für die Festlegung des aktuellen Fahrzeugwertes im Zusammenhang mit dem Verkaufspreis ist es mitentscheidend, wann die letzte TÜV-Abnahme mit HU und AU, mit Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung war. Beides ist im Zweijahresrhythmus fällig. Liegt die TÜV-Abnahme zeitlich weit zurück, hat der Fahrzeugkäufer das unkalkulierbare Risiko von Beanstandungen bei der bevorstehenden TÜV-Abnahme. In diesem Zusammenhang ist die Bereifung ein wichtiges Kriterium. Gehören zum Gebrauchtwagen getrennte Sommer- und Winterreifen, oder ist er mit Allwetterreifen bestückt. Wie steht es um die Profiltiefe bei jedem einzelnen der Reifen, und in welcher Weise ist das Profil abgefahren. Der einseitige Profilverschleiß kann ein Hinweis auf technische Mängel an Lenkung und Achsen sein, die für Außenstehende nicht erkennbar sind.

Der Kaufpreis von Gebrauchtwagen wird ganz maßgeblich auch von dem Fahrzeugtyp bestimmt. Der ist nicht ausschlaggebend, aber indirekt mitbestimmend für die Höhe von Kfz-Steuer und Kfz-Versicherung. Sie gehören beide zu den Folgekosten, ebenso wie die Kraftstoffkosten für Benzin oder Diesel. Und zwei weitere kaufentscheidende Kriterien sind Antworten auf die Fragen, ob es sich um einen Unfallwagen handelt, und wie es um einen Rostbefall an Karosserie sowie am Chassis bestellt ist. Den allgemeinen Zustand, ob beispielweise der Fahrzeuglack gepflegt ist, kann der Kaufinteressent auf den ersten Blick selbst erkennen. Als Unfallwagen gelten Fahrzeuge, die an einem Verkehrsunfall beteiligt waren, und an denen dadurch ein Sachschaden oberhalb der sogenannten Bagatellgrenze entstanden ist. Die liegt nach aktueller Rechtsprechung bei etwa 150 bis höchstens 180 Euro. Die Richter gehen ganz allgemein davon aus, dass Fahrzeugschäden in dieser Höhe unerheblich sind und in vielen Fällen vom Kfz-Halter selbst beseitigt werden. Sie wirken sich nicht wertmindernd aus und brauchen deswegen auch nicht als Unfallschaden angegeben zu werden.

Jeder Autofahrer verbringt aus ganz unterschiedlichen Anlässen viele Stunden in seinem Auto. Darunter sind Berufs-, Freizeit-, Familien- und Urlaubsfahrten. Je länger und öfter der Aufenthalt im Fahrzeug ist, umso größer sind die Ansprüche an seine Bequemlichkeit und Sauberkeit. Der Fahrzeughalter und seine Mitfahrer müssen sich in dem Auto buchstäblich wohlfühlen. Bei dem erstzugelassenen Neufahrzeug ist das garantiert, nicht jedoch bei einem Gebrauchtwagen. Vor diesem Hintergrund gilt der Abnutzung des Fahrzeuginnenraumes ein besonders kritischer Blick. Für den Nichtraucher ist ein Raucherfahrzeug einfach nicht vorstellbar. Wenn er sogar einen dreckigen Aschenbecher entdecken sollte, dann ist das Verkaufsgespräch beendet. Die Sitze von Fahrer und Beifahrer werden am meisten strapaziert. Beim Gebrauchtwagenkauf stellt sich die Frage, wie sehr sie durchgesessen sind, und wie es um die Federung bestellt ist. Das Lenkrad wird angefasst, sobald die Fahrt beginnt. Es wird ebenso oft und viel benutzt wie die Fahrzeugsitze oder der Schaltknüppel von Automatik-/Getriebeschaltung. Wer selbst keine Haustiere hat, der wird möglicherweise Hundehaare als störend empfinden, bis hin als ein KO-Kriterium für den Gebrauchtwagenkauf. Die einen lieben ihren Vierbeiner, andere empfinden seine Ausdünstungen und seinen Körpergeruch als Gestank. Die Auffassungen sind teilweise recht unterschiedlich. Mit einigen gezielten Fragen kann schon im Vorfeld geklärt werden, ob das angebotene Auto auch der wirklich richtige Gebrauchtwagen ist.

Ein ganz allgemein kritischer Check auf Reparaturen gilt dem Motorraum sowie dem Kofferraum. Nicht jede Reparatur muss ein Unfallschaden sein; es gibt vielfältige andere Gründe, die sowohl dauerhafte als auch sporadische Reparaturen notwendig machen. Ein prüfender Blick unter den Gebrauchtwagen gibt Aufschluss darüber, ob das Fahrzeug an irgendeiner Stelle Öl verliert. Der Ölstand sollte auf jeden Fall geprüft werden, ebenso wie der Nachweis über den letzten Ölwechsel. Wenn der professionell, das heißt in einer freien oder in einer Vertragswerkstatt gemacht worden ist, dann wird das auch im Fahrzeug am Motorblock notiert, und darüber hinaus im Kfz-Scheckheft dokumentiert.

Jeder Gebrauchtwagenkauf ist mit einem letzten Restrisiko für den Käufer verbunden. Er weiß, dass er ein Auto kauft, das je nach Alter über viele Jahre hinweg von Kfz-Haltern gefahren worden ist, die er nicht kennt. Er muss sich weitgehend auf das verlassen, was ihm der aktuelle Autobesitzer zeigt und sagt. Der ist oftmals auch nicht besser informiert, weil er das Fahrzeug ebenfalls gebraucht gekauft hat. Wenn das Auto gebraucht gekauft wird, dann gehört neben dem eigenen Knowhow des Käufers auch etwas Glück mit dem Fahrzeug dazu.